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Moderne Technologien können Kosten für Netzausbau in Rheinland-Pfalz deutlich senken


Das Bundesland Rheinland-Pfalz hat mit seinem Ziel, bis 2030 die Stromversorgung ausschließlich mit Hilfe von erneuerbaren Energien zu decken, ein ambitioniertes Ziel gesetzt. Um dabei die Versorgungssicherheit nicht zu gefährden, muss dieser Prozess von einem entsprechenden Aus- und Umbau auf der Ebene der Verteilnetze und der Nutzung von Speichertechnologien begleitet werden. Eine Anfang Februar veröffentlichte Verteilnetzstudie, die im Auftrag des Wirtschaftsministeriums Rheinland-Pfalz von der Energynautics GmbH, dem Öko-Institut e.V. und der Kanzlei Bird & Bird LLP durchgeführt wurde, zeigt nun auf, in welchem Umfang Veränderungen am Stromnetz notwendig sind, um eine Vollversorgung aus regenerativen Energien zu erreichen.

 

Niedrigere Investitionen durch Dynamic Line Rating und Hochtemperaturseile

Für die Berechnungen wurden installierte Windkraftkapazitäten von 7,5 GW und Photovoltaikanlagen mit einer Gesamtkapazität von 5,5 GW im Jahr 2030 angenommen. Zum Vergleich: 2012 lag der Anlagenbestand bei den Windenergieanlagen in Rheinland-Pfalz bei rund 1,8 GW und betrug für Solarstromanlagen rund 1,6 GW. Aus Sicht der Autoren ist der Aufwand für den Auf- und Umbau überschaubar, wenn die modernsten technologisch zur Verfügung stehenden Möglichkeiten genutzt werden. „Durch den Einsatz bereits heute existierender Technologien – wie regelbare Ortsnetztransformatoren, Dynamic Line Rating und Hochtemperaturseile lassen sich die Investitionen des erforderlichen Netzausbaus deutlich begrenzen“, erläutert Dr. Thomas Ackermann, Geschäftsführer der Energynautics GmbH und Mitverfasser der Studie. Durch den hohen Anteil der Windenergie versprechen sich die Autoren vor allem vom „Dynamic Line Rating und“ von Hochtemperaturseilen Einsparungen beim konventionellen Netzausbau. In Regionen mit einer hohen Einspeisung von Strom aus Photovoltaikanlagen lassen sich die Kosten für den Netzausbau durch den Einsatz von regelbaren Ortsnetztransformatoren begrenzen, welche die Spannung im Niederspannungsnetz von der Spannung im Mittelspannungsnetz entkoppeln.

Optimiertes Szenario sieht Netzkosten bei 1 Mrd. €

Die notwendigen Investitionskosten über einen Zeitraum von 17 Jahren liegen bei rund 1 Mrd. €, umgerechnet auf die einzelne kWh bei 0,13 Cent. Dies gilt jedoch nur in einem optimierten Szenario, in dem die modernste Technologien anhand der Kriterien „Minimierung der Netzausbaukosten“ und „Flexibilitätsoptionen“ ausgewählt und zusammengestellt werden. Im Vergleich dazu liegen die Kosten für den Netzausbau bis 2030 im Referenzszenario bei rund 1,8 Mrd. € bis 2030. Das Referenzszenario ermittelt den Netzausbaubedarf, der „ohne Einsatz neuer Technologien bei vollständiger Aufnahme aller Erzeugungsleistung notwendig wäre“.

Aus Sicht der rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) ist der Netzausbau mit dem Landschaftsbild gut vereinbar. „Der Netzausbau wird für die Menschen vor Ort nur wenig verändern. Der Ausbau der Verteilnetze bis 110 Kilovolt (KV) im Land wird tatsächlich wenig wahrnehmbar sein. In den meisten Fällen reicht der Austausch der Leitungen auf bereits bestehenden Masten aus. Auf der Ebene der 20 KV-Netze ist ohnehin Erdverkabelung die Regel“, so Lemke. Die Studie empfiehlt aus Gründen der Effizienz überschüssigen Strom aus erneuerbaren Energiequellen in erster Linie zur Deckung der Stromnachfrage im deutsche-europäischen Netzverbund zu nutzen und damit die Stromerzeugung durch fossile oder nukleare Erzeugungseinheiten zu ersetzen. Erst mittelfristig an Bedeutung gewinnen werden die beiden Pumpspeicherkraftwerke, die bereits an den Standorten Heimbach (Rurtalsperre) und in Schweich (Mosel) geplant werden. Nach der Fertigstellung können diese als zentrale Großspeicher mit einer Leistung von mehreren hundert MW als Puffer ganzjährig genutzt werden.