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Tennet evaluiert Bürgeranleihe-Projekt für Netzausbau


Im Rahmen eines Pilotprojektes des Übertragungsnetzbetreiber Tennet konnten sich Bewohner und Grundstückeigentümer aus den Landkreisen Dithmarschen und Nordfriesland in Schleswig-Holstein an der Finanzierung einer 380kV-Leitung an der Westküste des Bundeslandes in Form einer Bürgeranleihe beteiligen. Ziel war es, Erfahrungen mit solchen Beteiligungsmodellen zu sammeln und zu testen, inwieweit sich so die Akzeptanz für vergleichbare Infrastrukturprojekte steigern lässt.

 Bürger bewerten Bürgeranleihe positiv

Mittlerweile wurde das Projekt vom Übertragungsnetzbetreiber ausgewertet und auch die Ergebnisse der beiden im Zusammenhang mit dem Projekt durchgeführten Umfragen liegen vor. Die erste Umfrage war bereits während der ersten Hälfte der Zeichnungsfrist im Juni unter den Einwohnern von Nordfriesland und Dithmarschen durchgeführt worden, die zweite nach Ablauf der Zeichnungsfrist vier Monate später im Oktober. Beide Umfragen zeigen, dass prinzipiell das Konzept der Bürgeranleihe positiv bewertet wird, für rund die Hälfte der Befragten kommt trotzdem keine Beteiligung in Frage, da die finanziellen Mittel für eine solche Investition fehlen.

Naturschutz wichtiger als Bürgerbeteiligung am Netzausbau

Für 39 Prozent ist die angebotene Bürgeranleihe „nicht interessant“ und jeder Dritte bewertet das Finanzprodukt als zu kompliziert. Wenngleich 71 Prozent der Befragten Dialogprozesse und Bürgerbeteiligung für wichtig erachten, fällt der Anteil der Befragten, dem hohe Umwelt- und Naturschutzstandards beim Ausbau der Stromnetze wichtig sind, nochmals höher aus. Interessanterweise fällt die Akzeptanz von Beteiligungsmodellen für Windparks, die in Deutschland bereits seit mehr als zwei Jahrzenten angeboten werden, mit 53 Prozent deutlich höher aus als die Bereitschaft, sich am Ausbau der Stromnetze zu beteiligen, was auch darauf zurückzuführen ist, dass diese Beteiligungsform noch nicht etabliert ist. So konnten sich nur 32 Prozent der Befragten vorstellen, sich am Ausbau der Stromnetze im Rahmen einer Investition zu beteiligen.

Weniger Zustimmung nach öffentlicher Diskussion um Bürgeranleihe

Die öffentliche Diskussion um die Bürgeranleihe, in der von einzelnen Akteuren auch das totale Ausfallrisiko als Kritikpunkt aufgeführt wurde, hat dazu geführt, dass sich die Zustimmung zur Bürgeranleihe zwischen den beiden Befragungen deutlich verschlechtert hat. Neben den Umfrageergebnissen spiegelt sich dies auch in einem Rückgang bei den Zeichnungen der Anleihe wider. Insgesamt haben fast 1.500 Personen die Zeichnungsunterlagen angefordert, davon entschieden sich jedoch nur rund 10 Prozent für eine Zeichnung. Insgesamt beträgt die Zeichnungssumme für das Projekt damit 833.000 €.

„Dieses deutschlandweit einmalige Pilotprojekt hat uns wichtige Hinweise in Hinblick auf die Akzeptanz von Energie-Infrastrukturprojekten und möglichen Beteiligungsformen geliefert. Diese Erfahrungen können Grundlage für die von der Politik geplante Weiterentwicklung der Bürgerbeteiligung sein“, sagte Lex Hartman, Mitglied der Geschäftsführung des Übertragungsnetzbetreibers TenneT.