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DIW kritisiert Annahmen der EU-Kommission zu Energiekosten


Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) gelangt in seinem aktuellen Wochenbericht zu der Einschätzung, dass die Europäische Kommission bei der europäischen Energiepolitik von falschen Kostenannahmen bei Atomkraft, Kohlendioxidabscheidung und regenerativen Energien ausgeht. Bei der Atomkraft gingen die 2011 erstellten Szenarien von einem Anstieg der Kernkraftwerksleistungen von derzeit 120 auf 140 GW aus.

Falsche Kostenannahmen bei Atomenergie

„Weder in Europa, noch an einem anderen Ort dieser Welt ist jemals ein Atomkraftwerk unter marktwirtschaftlichen Bedingungen gebaut worden. Lediglich die Formen der staatlichen Subventionierung unterscheiden sich“, sagt Christian von Hirschhausen, Forschungsdirektor am DIW Berlin. „Übliche Kostenschätzungen für Atomkraft beinhalten oft nicht den Rückbau der Anlagen sowie die Endlagerung des Atommülls, ganz zu schweigen von den enormen Kosten möglicher Großunfälle wie in Fukushima oder Tschernobyl.“

Keine Projekte für Kohlendioxidabscheidung in der EU realisiert

Da die Betreiber sich gegen solche Risiken nicht ausreichend versichern, werde das Risiko vom Staat getragen. Bei der CO2-Sequestrierung geht die Europäische Kommission in ihren Szenarien von einer Kapazität von mehr als 5 GW für 2020 aus. Bisher wurde jedoch laut dem DIW Berlin diese Technologie noch an keinem Standort innerhalb der EU umgesetzt. Bei den erneuerbaren Energien sieht Claudia Kemfert, Leiterin der DIW-Abteilung Energie, Verkehr, Umwelt, in den letzten Jahren bahnbrechende Produktivitätsfortschritte und bezieht sich dabei insbesondere auf die Wind- und Solarenergie.

Benachteiligung der Erneuerbaren im Referenzszenario der Kommission

Gerade bei der Photovoltaik liegen demnach die Kapitalkosten bereits heute teilweise unter den Werten, welche die EU-Kommission für das Jahr 2050 erwartet. „Europa braucht anspruchsvolle Ziele für erneuerbare Energien, damit diese die historisch entstandene und politisch geförderte Vormachtstellung von Atomkraft und fossiler Energieerzeugung mittelfristig ablösen können“, sagt Kemfert. In seiner Analyse belegt das DIW Berlin die starke Benachteiligung der Erneuerbaren im Referenzszenario der EU von 2011. „Eine aktualisierte Berechnung für das Grünbuch 2030 wurde – entgegen der Ankündigungen – bisher nicht vorgelegt“, so Kemfert.